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16. AUGUST 2026 · SCHLÜSSLBERG & WENG

Warum ich gerne Unternehmer bin

Willi Sickinger
Willi SickingerGeschäftsleitung

Willi Sickinger erzählt, wie er vom Außendienst zum Hotelunternehmer wurde: über Vertrauen, Partnerschaft, harte Jahre in der Pandemie und warum er nicht mehr tauschen möchte.

Warum bin ich eigentlich gerne Unternehmer?

Vielleicht, weil ich schon als Angestellter oft wie ein Unternehmer gedacht habe. Zumindest glaube ich das heute.

Bis 2019 war ich, mit einer kurzen Ausnahme, immer im Angestelltenverhältnis und überwiegend in technischen Berufen tätig.

Sagen wir es so: Es war lehrreich.

Es war ein hartes Jahr. Beruflich und finanziell. Danach war das Kapitel Selbstständigkeit für mich vorerst wieder beendet. Der Wunsch, irgendwann mein eigenes Unternehmen aufzubauen, ist aber geblieben.

Verkaufen war für mich nie nur Verkaufen

Die letzten zehn Jahre vor meiner Selbstständigkeit war ich im Außendienst tätig. Mein Gebiet führte mich durch Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg und später auch nach Südbayern.

Oft war ich von Dienstag bis Donnerstag unterwegs und verbrachte unzählige Nächte in Hotels. Dass ich Jahre später selbst einmal Hotels betreiben würde, wusste ich damals natürlich noch nicht.

Ich habe den Außendienst wirklich gerne gemacht. Ich fahre gerne Auto, auch wenn die vielen Kilometer und der zunehmende Verkehr mit der Zeit durchaus anstrengend wurden.

Aber das Entscheidende waren für mich ohnehin nie die Kilometer.

Es waren die Menschen.

Die Gespräche. Gemeinsam Lösungen zu finden. Und mit meiner Arbeit einen echten Nutzen zu schaffen.

Ich habe meine Kunden deshalb nie nur als „Kunden“ gesehen. Für mich waren sie Partner.

Und ich habe dabei etwas gelernt, das mich bis heute begleitet: Überall dort, wo eine ehrliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit entstanden ist, waren am Ende beide Seiten erfolgreicher.

Ein Auftrag endet nicht mit der Bestellung

Meine Vorstellung von gutem Vertrieb war eigentlich recht einfach:

Ein Auftrag war für mich nicht erledigt, wenn die Bestellung unterschrieben war.

Er war für mich dann erledigt, wenn die neue Maschine beim Kunden stand, gut funktionierte und meine Beratung gemeinsam mit unseren Produkten tatsächlich einen Nutzen und Mehrwert geschaffen hatte.

Natürlich wollte ich verkaufen. Das war schließlich mein Beruf.

Aber ich wollte nie einfach nur Lieferant sein.

Mein Anspruch war, Partner zu sein.

Dazu gehört für mich eine gewisse Haltung: respektvoll, höflich, diszipliniert und zuverlässig zu sein.

Vielleicht klingt es etwas ungewöhnlich, aber manchmal habe ich mich durchaus als „Diener“ meiner Partner gesehen. Nicht im unterwürfigen Sinn, sondern mit einer ganz einfachen Frage im Kopf:

Was kann ich tun, damit mein Gegenüber erfolgreich ist?

Wenn daraus gegenseitiges Vertrauen entsteht, verändert sich eine Geschäftsbeziehung.

Und aus einigen dieser Geschäftsbeziehungen entwickelten sich über die Jahre sogar Freundschaften, die bis heute bestehen.

Warum ich Reklamationen manchmal sogar mochte

Natürlich gab es im Angestelltenleben auch Dinge, die weniger zu meinen Leidenschaften gehörten.

Interne Abläufe, Bürokratie und manche Abwicklungen im Büro waren durchaus geeignet, meinen Magen auf seine Belastbarkeit zu testen.

Ganz anders war es bei Reklamationen.

So seltsam es klingt: Über eine Reklamation habe ich mich manchmal sogar gefreut.

Denn eine Reklamation bedeutete: Da gibt es ein Problem. Und dieses Problem muss gelöst werden.

Für mich war das eine Chance.

Wenn alles funktioniert, ist es relativ einfach, ein guter Geschäftspartner zu sein.

Interessant wird es dann, wenn etwas schiefläuft.

Genau dort kann man beweisen, ob man wirklich Partner ist, oder eben doch nur Lieferant.

Mein Firmenhandy hatte ich immer dabei und meine Kunden wussten, dass sie mich erreichen konnten. Außerhalb der normalen Arbeitszeit klingelte es erstaunlich selten. Aber wenn jemand angerufen hat, dann meistens deshalb, weil es wirklich wichtig war.

Wenn ich dann helfen und eine Lösung finden konnte, war das für mich keine lästige Unterbrechung. Es gehörte zu meinem Job und zu meinem Verständnis von Partnerschaft.

Denn eines habe ich im Vertrieb sehr schnell gelernt:

Nach dem Auftrag ist vor dem Auftrag.

„Entscheiden Sie selbst.“

Mein erstes richtiges Außendienstgebiet war Vorarlberg.

Die Anfangszeit war hart. Ich war neu, musste mir das Vertrauen mühsam erarbeiten und (wenig überraschend) hatte dort niemand auf mich gewartet.

In dieser Zeit hatte ich das Glück, einen sehr guten Chef und Geschäftsführer zu haben. Von ihm habe ich viel über meinen Beruf gelernt.

Vor allem aber hat er mir vertraut.

Wenn etwas nicht gut gelaufen ist, hatte ich seinen Rückhalt. Gerade am Anfang ging ich immer wieder zu ihm und fragte:

„Wie soll ich das machen?“

Seine Antwort war erstaunlich oft:

„Entscheiden Sie selbst.“

Anfangs fand ich das durchaus gewöhnungsbedürftig. Schließlich wollte ich von ihm wissen, was richtig ist, und er schickte die Entscheidung einfach wieder zu mir zurück.

Heute weiß ich: Genau das war richtig.

Vertrauen. Freiraum. Verantwortung. Und auch die Möglichkeit, Fehler zu machen.

Das hat mich wachsen lassen.

Und irgendwann funktionierte es auch in Vorarlberg.

Das Eis war gebrochen. Aus ersten Aufträgen wurden Stammkunden, aus Kunden wurden Partner und aus einigen Partnerschaften entstanden Freundschaften, die bis heute bestehen.

Das ist tatsächlich etwas, das ich heute manchmal vermisse.

Denn rückblickend sind es nicht die Umsatzzahlen, an die ich mich besonders gerne erinnere.

Es sind die Menschen dahinter.

Menschen kaufen von Menschen. Natürlich spielt der Preis eine Rolle. Aber ich bin überzeugt, dass bei vielen Entscheidungen Vertrauen und Emotion einen viel größeren Einfluss haben, als wir manchmal glauben.

Der Wunsch, selbst etwas aufzubauen

So gerne ich meinen Beruf gemacht habe: Der Wunsch nach Selbstständigkeit war immer da.

Ich wollte gestalten.

Ich wollte Entscheidungen treffen und auch die Verantwortung dafür übernehmen.

Ich wollte Dinge ausprobieren und herausfinden, ob sie funktionieren.

Aber nach meiner ersten Erfahrung mit 22 wusste ich auch:

Selbstständig zu sein, nur um selbstständig zu sein, ist noch kein Geschäftsmodell.

Also wartete ich auf die richtige Gelegenheit.

Ganz untätig war ich allerdings nicht.

Bereits 2015 haben mein Bruder Harald und ich „berufsbegleitend“ ein Gesundheitszentrum mit Seniorenwohnungen konzipiert, gebaut und anschließend betrieben.

Rückblickend war das für mich eine wichtige Schule.

Ich habe dabei gelernt, wozu Menschen fähig sind, wenn sie wirklich etwas umsetzen wollen. Viele Grenzen existieren tatsächlich zuerst einmal im eigenen Kopf.

Ich habe allerdings auch gelernt, was es bedeutet, Vermieter zu sein.

Auch das war lehrreich.

Manchmal sogar ausgesprochen lehrreich.

Ein paar Jahre später gingen Harald und ich den nächsten großen Schritt:

Wir beschlossen, ein Hotel zu bauen.

Damit begann für mich 2019 ein völlig neues Kapitel.

Willkommen in der Realität

Wenn ich heute erzähle, dass ich gerne Unternehmer bin, könnte man meinen, danach sei alles wunderbar gelaufen.

Ganz im Gegenteil.

Mein Bruder und ich haben in den ersten Jahren einige Täler durchwandert.

Eigenmittelforderungen der Bank.

Baukostenüberschreitungen: nicht unbedingt, weil ständig etwas schiefging, sondern auch deshalb, weil wir uns während des Baus immer wieder bewusst für die bessere Lösung entschieden haben.

Und natürlich Entscheidungen, bei denen man manchmal erst Jahre später weiß, ob sie wirklich richtig waren.

Dann kam die Pandemie.

Plötzlich war Tourismus praktisch über Nacht kein besonders gefragtes Geschäftsmodell mehr.

Wir hatten ein Hotel.

Wir hatten Finanzierungen.

Wir hatten laufende Kosten.

Was wir zeitweise eher weniger hatten, waren Gäste.

Dafür gab es laufend neue Vorschriften.

Und ja: Es gab in dieser Zeit Momente, in denen ich wirklich nicht wusste, wie wir am Ende alle Rechnungen bezahlen sollten.

Aber irgendwie ist es sich immer ausgegangen.

Vielleicht klingt dieser Satz heute leicht. Damals hat er sich nicht immer so leicht angefühlt.

Was wir in dieser Zeit aber immer hatten, war etwas unglaublich Wichtiges:

Unsere Ehefrauen und unsere Eltern, die zu 150 Prozent hinter uns standen.

Auch das habe ich als Unternehmer gelernt:

Niemand baut wirklich alles alleine auf.

Rückblickend gibt es aus diesen Jahren zahlreiche Geschichten zu erzählen. Manche davon waren damals überhaupt nicht lustig. Über einige kann ich heute schon lachen.

Über andere vielleicht in zehn Jahren.

Vom Verkäufer zum Unternehmer und plötzlich zur Führungskraft

Heute bedeutet Unternehmertum für mich vor allem eines:

Verantwortung.

Unternehmer zu sein bedeutet für mich nicht, sein eigener Chef zu sein.

Ganz im Gegenteil.

Heute habe ich wahrscheinlich mehr „Chefs“ als jemals zuvor: unsere Gäste, Mitarbeiter, Banken, Behörden, Lieferanten und natürlich die Zahlen am Konto.

Die können besonders streng sein.

Aber meine Rolle hat sich verändert.

Früher habe ich mich gefragt:

Was kann ich tun, damit mein Kunde erfolgreich ist?

Heute frage ich mich zusätzlich:

Was kann ich tun, damit meine Mitarbeiter erfolgreich sein können?

Führung und Strategie sind für mich deshalb zu sehr wichtigen Themen geworden.

Dabei habe ich festgestellt, dass gute Führung nicht bedeutet, selbst der Wichtigste zu sein oder Tag und Nacht zu arbeiten.

Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist für mich viel einfacher:

Zuhören.

Ich muss meinen Mitarbeitern zuhören, sie unterstützen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie einen guten Job machen können.

Denn wenn meine Mitarbeiter erfolgreich sind, ist am Ende auch unser Unternehmen erfolgreicher.

Eigentlich schließt sich damit für mich ein Kreis.

Mein damaliger Chef hat mir Freiraum gegeben, mir vertraut und mich selbst entscheiden lassen.

Genau dadurch konnte ich wachsen.

Heute versuche ich, meinen Mitarbeitern ebenfalls dieses Vertrauen zu geben.

Und am Ende entscheidet der Gast

Bei all den Strategien, Zahlen und Überlegungen darf ich eines nicht vergessen:

Warum machen wir das überhaupt?

Wir bieten unseren Gästen eine Leistung an und wollen, dass sie bei uns eine gute Zeit haben und zufrieden wieder abreisen.

Erst wenn unser Gast zufrieden ist, können auch wir zufrieden sein.

Darum haben wir für uns einen hohen Anspruch:

Was wir tun, wollen wir exzellent machen.

Natürlich gelingt nicht jeden Tag alles perfekt. Auch bei uns passieren Fehler.

Entscheidend ist für mich aber der Anspruch dahinter.

Nicht Mittelmaß als Ziel.

Sondern jeden Tag ein Stück besser werden.

Interessanterweise ist das wieder genau derselbe Gedanke, den ich schon im Außendienst hatte:

Damals wollte ich, dass die Maschine beim Kunden funktioniert und meine Arbeit einen echten Mehrwert schafft.

Heute möchte ich, dass unsere Gäste zufrieden sind und meine Mitarbeiter die Voraussetzungen haben, einen guten Job zu machen.

Die Aufgabe hat sich verändert.

Meine Einstellung dazu eigentlich nicht.

Warum also bin ich gerne Unternehmer?

Weil ich gestalten kann.

Weil ich morgens eine Idee haben und beginnen kann, sie umzusetzen.

Weil ein Problem für mich nicht automatisch etwas Negatives ist, sondern eine Aufgabe, für die es meistens auch eine Lösung gibt.

Weil ich Entscheidungen treffen darf und auch mit den Konsequenzen leben muss.

Und weil ich Fehler machen darf.

Mit dem kleinen Haken, dass ich sie heute meistens auch selbst bezahlen darf.

Vor allem aber kann ich gemeinsam mit anderen Menschen etwas aufbauen und erleben, wie aus einer Idee langsam etwas Echtes entsteht.

Und vielleicht verändert sich meine Rolle irgendwann noch einmal.

Ich freue mich sehr, wenn ich junge Unternehmer kennenlerne, die Ziele, Ideen und Visionen haben. Wenn ich ihnen aus meinen eigenen Erfahrungen etwas mitgeben kann und sie dadurch vielleicht den einen oder anderen Stolperstein auslassen können, erfüllt mich das.

Ich kann mir gut vorstellen, dass genau das irgendwann einmal ein Teil meiner beruflichen Zukunft sein könnte:

Junge Unternehmer ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten.

Nicht, weil ich weiß, wie alles funktioniert.

Ganz sicher nicht.

Sondern weil ich inzwischen ziemlich gut weiß, wie sich manches anfühlt, wenn es nicht funktioniert.

Und weil ich selbst erlebt habe, wie wichtig Menschen sind, die einem Vertrauen schenken, Rückhalt geben und manchmal einfach sagen:

„Entscheide selbst.“

Nicht immer funktioniert alles.

Nicht jede Entscheidung ist richtig.

Nicht jede Idee wird ein Erfolg.

Und manche Tage wären als Angestellter vermutlich deutlich entspannter.

Trotzdem würde ich heute nicht mehr tauschen wollen.

Denn wenn ich eines aus meinem bisherigen Berufsleben mitgenommen habe, dann dieses:

Erfolg entsteht für mich dort, wo man Verantwortung übernimmt, Probleme löst und Menschen nicht einfach als Kunden, Mitarbeiter oder Lieferanten sieht, sondern als Partner.

Und vielleicht ist das die einfachste Antwort auf die Frage vom Anfang:

Ich bin gerne Unternehmer, weil ich gerne gemeinsam mit Menschen etwas bewege.